Walther von der Vogelweide Saget mir ieman: waz ist minne Liedtext

Saget mir ieman: waz ist minne?

weiz ich des ein teil, sô wist ichs gerne mê.

Der sich baz denn ich versinne,

der berihte mich, durch waz si tuot sô wê.

Minne ist minne, tuot si wol.

tuot si wê, so enheizet si niht rehte minne,

sus enweiz ich, wie si danne heizen sol.

Obe ich rehte râten künne,

waz diu minne sî, sô sprechet denne: „jâ!“

Minne ist zweier herzen wünne:

teilent sie gelîche, sost diu minne dâ.

Sol abe ungeteilet sîn,

sô enkans ein herze alleine niht enthalten.

ôwê, woldest dû mir helfen, frouwe mîn!

Frouwe, ich trage ein teil ze swaere,

wellest dû mir helfen, sô hilf an der zît!

Sî abe ich dir gar unmaere,

daz sprich endelîche! – sô lâz ich den strît

unde wirde ein ledic man.

dû solt aber einez rehte wizzen, frouwe:

daz dich lützel ieman baz geloben kan.

Kan mîn frouwe süeze siuren?

waenet si, daz ich ir liep gebe umbe leit?

Sol ich si dar umbe tiuren,

daz siz wider kêre an mîne unwerdekeit?

Sô kund ich unrehte spehen.

wê, waz sprich ich ôrenlôser ougen âne!

den diu minne blendet, wie mac der gesehen?

Ich wil alsô singen iemer,

daz si danne sprechent: „er gesanc nie baz!“

Des gedankest dû mir niemer,

daz verwîze ich dir alrest, sô denne daz:

Weistu, wes sie wünschent dir,

daz si saelic sî, von der man uns sô schoene singet?

sich, frouwe, den gemeinen wunsch hâst ouch von mir!