Walther von der Vogelweide Liedtext

Walther von der Vogelweide Maget und muoter, schouwe (Leich B) Liedtext

1.

Maget und muoter, schouwe

der kristenheite nôt,

dû blüende gert Aarônes,

ûf gênder morgenrôt!

Ezechiêles porte,

diu nie wart ûf getân,

dur die der künig hêrlîche

wart ûz und in gelân!

Als diu sunne schînet

durch ganz gewürhtez glas,

alsô gebar diu reine Krist,

diu magt und muoter was.

2.

Ein bosch der bran, dâ nie niht an

besenget noch verbrennet wart:

Breit unde ganz dâ beleib sîn glanz

vor fiures flamme unverschart.

Daz was diu reine magt aleine

diu mit megetlîcher art

3.

Kindes muoter worden ist

ân aller manne mitewist,

wider menschlîchen list

den wâren Krist

gebar, der uns bedâhte.

Wol ir, daz si den ie getruog,

der unsern tôt ze tôde sluog!

mit sînem bluote er ab uns twuog

den unfuog,

den Even schulde uns brâhte.

4.

Salomônes hôhen thrônes

bist dû, frouwe,

ein selde hêre und ouch gebieterinne!

balsamite, margarîte,

ob allen magden bist dû,

maget, ein magt, ein küniginne!

Gotes lambe was dîn wambe

ein palas reine,

da er eine lag beslozzen inne.

5.

Daz lambe ist Krist,

der wârer got ist,

dâ von dû bist

gehôhet und geêret.

Dem lambe ist gar

gelîch gevar

der megde schar.

nû nemt sîn war

und kêret, swâr ez kêret!

des bist dû, frouwe, geêret.

nû bitte in, daz er uns gewer

durch dich, des unser dürfte ger.

dû sende uns trôst von himel her,

des wirt dîn lob gemêret.