Walther von der Vogelweide Liedtext

Walther von der Vogelweide Dô der sumer komen was Liedtext

Dô der sumer komen was,

und die bluomen dur daz gras

wünneclîchen sprungen,

aldâ die vogele sungen,

dô kom ich gegangen

an einen anger langen,

dâ ein lûter brunne entspranc.

vor dem walde was sîn ganc,

dâ diu nahtegale sanc.

Bî dem brunnen stuont ein boum,

dâ gesach ich einen troum –

ich was von der sunnen

entwichen zuo dem brunnen,

daz diu linde maere

mir küelen schaten baere.

Bî dem brunnen ich gesaz,

mîner sorgen ich vergaz,

schier entslief ich umbe daz.

Dô bedûhte mich zehant,

wie mir dienten elliu lant,

wie mîn sêle waere

ze himel âne swaere,

und der lîp hie solte

gebâren swie er wolte.

Dâne was mir niht ze wê –

got gewaldes, swiez ergê,

schoener troum enwart nie mê!

Gerne slief ich iemer dâ,

wan ein unsaeligiu krâ

diu begonde schrîen.

daz alle krâ gedîen,

als ich in des günne!

si nam mir michel wünne.

Von ir schrîen ich erschrac –

wan daz dâ niht steines lac,

sô waer ez ir suonestac.

Ein vil wunderaltez wîp

diu getrôste mir den lîp:

die begond ich eiden,

nû hât sie mir bescheiden

waz der troum bediute.

daz merket, lieben liute:

Zwên und einer daz sint drî –

dannoch seit si mir dâ bî,

daz mîn dûme ein vinger sî.