Walther von der Vogelweide Liedtext

Walther von der Vogelweide Diu werlt was gelf, rôt unde blâ Liedtext

Diu werlt was gelf, rôt unde blâ,

grüen in dem walde und anderswâ:

Kleine vogele sungen dâ –

nû schriet aber diu nebelkrâ.

Pfligt si iht ander varwe? Jâ!

sist worden bleich und übergrâ.

des rimpfet sich vil manic brâ.

Ich saz ûf eime grüenen lê,

da ensprungen bluomen unde klê

zwischen mir und eime sê –

der ougenweide ist dâ niht mê.

Dâ wir schapel brâchen ê,

dâ lît nû rîfe und ouch der snê:

daz tuot den vogellînen wê.

Die tôren sprechent: „snîâ, snî!“

die armen liute: „owê, owî!“ –

Des bin ich swaere alsam ein blî:

der wintersorge hân ich drî.

Swaz der und der andern sî,

der wurde ich alse schiere frî,

waer uns der sumer nâhe bî!

Ê danne ich lange lebt alsô,

den krebz wolt ich ê ezzen rô.

Sumer, mache uns aber frô!

dû zierest anger unde lô.

Mit den bluomen spilt ich dô,

mîn herze swebt in sunnen hô –

daz jaget der winter in ein strô.

Ich bin verlegen als ein sû,

mîn sleht hâr ist mir worden rû.

Süezer sumer, wâ bist dû?

jâ saehe ich gerner veltgebû!

Ê deich lange in selher drû

beklemmet waere, als ich bin nû,

ich wurde ê münch ze Toberlû.