Enno Bunger Liedtext

Enno Bunger Wo bleiben die Beschwerden? Liedtext

Feuerwerksraketen, Steine, Splitter, Fensterglas

Drinnen hat man Todesangst, draußen hat man Spaß

Schieben alle Schuld auf die, die sowieso schon nichts mehr haben

Außer den Bildern aus der Hölle und den nie heilenden Narben

Oury Jalloh war ein Zauberer laut Polizeibericht

Vollführte im Verborgenen sein größtes Meisterstück

Hat mit Händen und mit Füßen fixiert an Grund und Wand

Sich auf feuerfester Matte in Schutzhaft selbst verbrannt

Wie man von Einzelfällen sprechen kann? Ich werd‘ es nie verstehen

Es gibt Menschen, die das wollen, die das alles gerne sehen

Tief in ihren Herzen heben sie die rechte Hand

Zünden Krisenherde, hoffen auf den Flächenbrand

Wo bleiben die Beschwerden? Warum lassen wir das zu?

Wir können was dafür, wenn wir nichts dagegen tun

Wo bleiben die Beschwerden? Wo führt das alles hin?

Warum tun wir so, als wären wir blind?

Wir schweigen ins Verderben, wenn wir tun, als ob nichts wär‘

Wir können was dafür, wenn wir uns nicht dagegen wehren

Wo bleiben die Beschwerden? Es gibt nur einen Weg:

Widerlegen, widersetzen, widerstehen

Die Tochter eine Gauners, eines Hehlers, eines Dealers

Sie konnte es kaum glauben, nach seinem Tod war sie so vieles

Doch nur weil er nicht von hier war, zahlte er mit seinem Leben

Hingerichtet mit neun Schüssen, nur einer ging daneben

Staatsbeamte schreddern Akten, die Wahrheit schön verborgen

So bitter der Geschmack, wenn man dann liest von „Dönermorden“

Jedes Opfer wird entwürdigt, jeder Mord wird eine Farce

Wo man nicht sucht, will man nichts finden, bringt Familien um den Schlaf

Nur in Nebensätzen liest man dann vom großen Zeugensterben

Was sind hier jetzt Fakten und was haarsträubende Märchen

Unter Druckerschwärze, Heuchelei und dreisten Falschaussagen

Wird die Würde unterdrückt, abgeschrieben und begraben

Wo bleiben die Beschwerden? Warum lassen wir das zu?

Wir können was dafür, wenn wir nichts dagegen tun

Wo bleiben die Beschwerden? Wo führt das alles hin?

Warum tun wir so, als wären wir blind?

Wir schweigen ins Verderben, wenn wir tun, als ob nichts wär‘

Wir können was dafür, wenn wir uns nicht dagegen wehren

Wo bleiben die Beschwerden? Es gibt nur einen Weg:

Widerlegen, widersetzen, widerstehen

Und irgendwo hinter der Glotze endet unser Tellerrand

Und wir richten ohne Glatze ähnlich großen Schaden an

Nein, es sind nicht die paar Nazis, es ist unsere Ignoranz

Lieber BILD, GNTM und Dschungelcamp am Bratwurststand

Als wär‘ es nicht in unserer Mitte, sondern nur am rechten Rand

Machen wir weiter unsere Witze über Gutmenschen im Land

Vergessene Geschichte wiederholt sich irgendwann

Ist unser Mitgefühl etwa in einem Flüchtlingsheim verbrannt?

Wo bleiben die Beschwerden? Warum lassen wir das zu?

Wir können was dafür, wenn wir nichts dagegen tun

Wo bleiben die Beschwerden? Wo führt das alles hin?

Warum tun wir so, als wären wir blind?

Wir schweigen ins Verderben, wenn wir tun, als ob nichts wär‘

Wir können was dafür, wenn wir uns nicht dagegen wehren

Wo bleiben die Beschwerden? Es gibt nur einen Weg:

Widerlegen, widersetzen, widerstehen